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Zagorów

ZagórówIm Jahre 1145 gründeten die deutschen Zisterziensermönche das Kloster Ląd a / Warthe (Lond, Lande). Die ersten 25 Äbte waren deutscher Herkunft:

1145   Henricus Rutgen, Henricus Buscraff, Theodoricus, Tillmann, Conradus
1213   Bertholdus, Christianus, Joannes, Philippus, Giselbertus, Jacobus
1313   Gierardus, Engelbertus
1325   Mathias
1399   Gierardus
1417   Bernardus
1418   Henricus, Roilen, Hermanus
1429   Sigfridus
1433   Joannes
1437   Joannes Fulich
1445   Mathias
1463   Ludovicus
1483   Cornelius
1553   Henricus



   Erst mit dem Jahr 1553 ging das deutsche Kloster in polnische Leitung über. Der erste polnische Abt war Jan Wysocki. Nach seinem Antritt flüchteten die deutschen Mönche mit den Urkunden  des Klosters Ląd nach dem Kloster Heinrichau in Schlesien.
   Auf die kolonisatorische Tätigkeit des Klosters gehen u.a. zurück die Gründungen der Städte Lądek (Landeck) 1269, Pyzdry (Peisern) 1257, Zagórów 1445. Um die letztgenannte Stadt mit dem nahegelegenen Kloster zu verbinden, wurde ein 4 km langer Damm aufgeschüttet.
   Die Einwanderung deutsch-evangelischer Kolonisten in die Zagórówer Gegend lässt sich urkundlich 1746 belegen. Damals schloss Paul von Kolno-Prusiński, Besitzer des Gutes Trąbczyn, mit deutschen Bauern einen Erbpachtvertrag, kraft dessen er ihnen zur Urbarmachung Waldgelände überließ, auf dem sie das Dorf Łazińsk gründeten. Es ist die älteste Siedlung in der Gemeinde und gegenwärtig auch das größte Kantorat mit über 150 evangelischen Wirten. In Łazińsk selbst sind es 115, dazu noch 15 Wirte von der Huta Trąbczyńska, 10 aus Trąbczyn B., 5 aus Trąbczyn C. und etwa 12 Wirte aus Trąbczyn D.
   Die jetzige Schule in Łazińsk wurde 1838/39 erbaut, und zwar an Stelle von Ziegeln von sogen. „Sumpferz“ oder „Wiesenerz“, einem in dieser Gegend wichtigen Baustoff. Das Schul- und Bethaus wurde mit 18 Morgen Ackerland und 2 Morgen Wiese, der Friedhof mit 2 Morgen 180 Kreuzruten Wald ausgestattet.
   Weitere Gründungen sind hier: Friederichsfelde (Tarzewo), Adelshof (Chruściki), Emilienheim (Michalinów, gm. Oleśnica), Sophienthal (Olchowo), Ludwigslust (Mały Las), Ingelfingen (Anielewo), Augustinenhof (Augustynów). Zur südpreußischen Zeit siedelten sich in Zagórów auch evangelische Tuchmacher an. Die Einwanderer stammten aus Schlesien und dem Posener Lande.
   Bis 1817 bereisten die Pastoren von Wreschen die Evangelischen in und um Zagórów, dann die der benachbarten Gemeinden Grodziec, Konin und Żychlin (reform.). Im Juni 1829 machten sich Bemühungen geltend, in der Zagórówer Gegend eine evangelisch-lutherische Parochie zu gründen und einen Prediger zu berufen. Karl Gottlieb Weigel, der Grundherr von Kopojno, beabsichtigte damals, auf seinen Besitzungen eine evangelische Kirche sowie die sonst benötigten Gebäude zu erbauen und „für den dort anzustellenden Geistlichen ein jährliches Quantum von 40 Vierteln Korn, 10 Vierteln Gerste und 25 Vierteln Hafer, sowie nachträglich später 6 Fassbier…“ zu bewilligen. Das auf dem Gutshof von Kopojno aufgenommene Protokoll vom 7.Dezember 1829 wie auch Waigels beide Deklarationen vom 15.November 1833 und 8.Juli 1834 ließen die Erwartung auf die bevorstehende Gemeindegründung, für die die Evangelischen aus der Zagórówer Umgegend ebenso warm eintraten, als berechtigt erscheinen. Am 22.März 1836 schrieb u.a. Weigel an Sup. Modl in Kalisch: „… Schon längst und wahrhaft aus rein christlichen Absichten, zur Beförderung der Religion und Moral unter den zahlreichen evangelischen Kolonisten meiner Güter und deren Nachbarschaft…, war es mein sehnlichster Wunsch… den Bau einer evangelischen Kirche auf meinem Territorium wirklich in Erfüllung gehen zu sehen. Die unglücklichen Ereignisse in Polen haben dieses Unternehmen aufgehalten…“ Waigels Tod (†1836 in Breslau) wirkte sich insofern ungünstig aus, als sein Sohn und Erbe (Alexander Weigel) für die zu gründende Gemeinde schließlich keinerlei Dotationen leisten wollte. Trotzdem ruhte die Sache nicht.

Noch 1836 wählte man in den „Gemeindevorstand“ (vorläufiges Kirchenkollegium):
Matthias Luther,Ludwig Sperling, Johann Kelsch, Johann Gottlieb Kittel, Karl Heit

Diese baten Sup. Modl, ihnen beim Kirchbau in Zagórów und der Pfarreinrichtung behilflich zu sein. Sup. Modl ließ sie wissen, dass er ihre Bestrebungen bei den zuständigen kirchlichen und weltlichen Behörden tatkräftig unterstützen werde. Aus dem Ersuchen des Gemeindevorstandes geht hervor, dass nunmehr als Pfarrort die Stadt Zagórów gewählt wurde.
   Nachdem 1836 dem Koniner Bezirkskommissar übermittelten „Projekt der Einrichtung der evangelischen Gemeinde in Zagórów“ zählte hier die protestantische Bevölkerung 2937 Seelen. Der Fonds zum Kirchbau und der Pfarrgebäude betrug 1727 Zł. Zum Unterhalt des Pastors wurde bestimmt: 253 Zł. 28 Gr., 40 Viertel Roggen, 25 Viertel Hafer, 10 Viertel Gerste und 6 Tonnen Bier.

08 za pfarrhaus
Pfarrhaus

   Indessen fand die Wahl Zagóróws zum Pfarrort nicht die ungeteilte Zustimmung der evangelischen Landbevölkerung. So erklärten am 9.Februar 1837 „im Namen der Evangelischen von Lissewo“ Christian Wolf, Gottlieb Weber und Christian Kannwischer, dass sie sich am Bau der Kirche in Zagórów nicht zu beteiligen gedenken, weil sie eine Schule (d.h. auch Bethaus), „die uns der König erbaut hat“, hatten und mit der Administration von Grodziec zufrieden waren. Dasselbe wiederholten sie am 28.Juli 1840. Ihnen schlossen sich die Evangelischen von Adelshof (Chruściki) an, die am 10.Februar 1837 schrieben, dass sie sich am Kirchbau nicht beteiligen wollten, um so mehr als sie „noch immer ihren lieben evangelischen Prediger in Grojec (Grodziec) haben“. Ferner teilten am 9. Februar 1837 im Auftrage der „Alt-Tomnitzer Hauländer“ Martin Kannwischer, Gottfried Schnitzer und Gottfried Schultz mit, sie hätten sich entschlossen, der Kirche in Zagórów nicht beizutreten. Ebenso erklärten die Evangelischen von Peisern (Pyzdry) und Umgegend auf der Versammlung im dortigen Magistrat am 21.Juni 1838, dass sie aus dem Grunde nach Zagórów nicht eingepfarrt sein wollen, weil sie in Peisern eine besondere evangelisch-lutherische Gemeinde zu gründen wünschen. Desgleichen weigerten sich die „Ciemierower Hauländer“, Zagórów angeschlossen zu werden (Erklärung vom 28.Juli 1840). Es waren vornehmlich Ortschaften des jetzigen Filials Lissewo-Pyzdry, die aus lokalen bzw. wirtschaftlichen Gründen der zu schaffenden Gemeindeorganisation in Zagórów ablehnend gegenüberstanden.
   Im Schreiben an Sup. Modl vom 30.August 1839 gab das Warschauer Generalkonsistorium seiner Meinung Ausdruck, dass „infolge ungenügender Mittel eine evangelische Gemeinde in der Zagórówer Gegend augenblicklich nicht gegründet werden kann“. Wenngleich auch die Verhältnisse von einer selbstständigen Parochialgründung in Zagórów abzusehen nötigten, so beschlossen dennoch die Evangelischen auf der Versammlung vom 29.Juli 1840, in Zagórów zunächst ein Filial zu begründen und das erste Kirchenkollegium zu wählen.

In den Kirchenvorstand wählte man:
   Matthäus Luther, Johann Abramowski, Johann Friedrich Rasch Johann Eichhorst, Ludwig Neumann, Gottlieb Schnitzer

Am 24.Januar 1841 erbot sich Pastor Scholtz - Żychlin in seinem Schreiben an Sup. Modl, die Zagórówer Evangelischen, die er vordem schon 5 Jahre bereiste, zu bedienen. Darum schlug Sup. Modl dem Generalkonsistorium vor, Pastor Scholtz mit der Bereisung und weiterem Ausbau des Filials zu beauftragen. Das Generalkonsistorium betraute jedoch am 28.Juni ds. Jhrs. Pastor Orive aus Grodziec mit der Administration von Zagórów.
   Das am 31.Juli 1841 vom Bürgermeister der Stadt Zagórów angefertigte Verzeichnis der in das Filial einzubeziehenden Dörfer, das eine Seelenzahl von 3924 Personen aufwies, wurde am 29.Okt. 1842 von der Regierungskommission für innere, geistliche Angelegenheiten und Volksbildung bestätigt. Die hohe Seelenzahl der umwohnenden Siedler veranlasste das Generalkonsistorium, Sup. Modl darauf aufmerksam zu machen, dass in Zagórów eigentlich nicht ein Filial, sondern eine Pfarrgemeinde organisiert werden müsste. Doch solle das Filial nur so lange bestehen, „bis die Gemeinde hinreichende Mittel zur Errichtung einer Pfarre werde nachweisen können“.
03 za kirche3   Das Filial hatte in der ersten Zeit kein Bethaus, so dass die Gottesdienste in einem gemieteten Lokal abgehalten wurden. Dies missfiel einer Anzahl von Dörfern, die bereits eigene Bethäuser hatten und sich daher in einer besseren Lage als Zagórów befanden. Am 23.November 1845 baten Łazińsk, Michalinów (gm. Trąbczyn), Stara Huta, Emilienheim (Michalinów, gm. Oleśnica), den Filialort von Zagórów nach Łazińsk zu verlegen. Sie begründeten dies damit, dass in Łazińsk ein gemauertes Bethaus sei, welches „über 300 Personen aufnehmen könne“. Im Monat Januar 1846 äußerten die Evangelischen von Anielewo ihre Bereitwilligkeit, sich an Łazińsk anzuschließen, falls das Filial dorthin übertragen werden sollte. Wichtig war auch die Erklärung der Besitzerin von Trąbczyn, Michelina Miączyńska, die dem Sup. Modl am 10. Februar 1846 mitteilte, dass sie Getreide und Brennholz „im Verhältnis zur Größe der Gemeinde“ zu geben geneigt wäre, wenn Łazińsk eine Kirche und einen Pastor hätte. Infolgedessen kam Sup. Modl am 6.Juli 1846 nach Łazińsk und stellte nach eingehender Prüfung der Lage fest, dass die evangelischen Kolonisten dort den Mittelpunkt des Filials zu haben wünschen und in diesem Falle das Bethaus in Łazińsk umzubauen bereit wären. Sup. Modl unterstützte wohl ihre Bemühungen, doch das Generalkonsistorium pflichtete seiner Stellungnahme nicht bei, weil  die Evangelischen aus Koszuty, Młodojewo und Kossewo gegen die Verlegung des Filials von Zagórów nach Łazińsk Einspruch erhoben haben.
   Im J.1850 kaufte das Filial ein Haus von Fachwerk in Zagórów an der Koninerstr. Nr.54, dessen eine Hälfte als Betsaal, die andere als Schullokal und Kantorwohnung benutzt wurde. Nur bis Weihnachten 1856 war Zagórów Filial von Grodziec, dessen Seelsorger Karl Friedrich Orive die neue Gemeinde ununterbrochen verwaltete. Seit Weihnachten 1856 amtierte als erster Ortspfarrer der nunmehr selbstständig gewordenen Parochie Pastor Wilhelm Winkler.
   1857 erwarb die Gemeinde in Zagórów an der Koninerstr. Nr.51 und 52 zwei Häuschen, von denen das eine als Pfarrhaus, das andere als Küche des Pfarrhauses diente. 1859 wurde das Pastorat entsprechend vorgerichtet.
   Die Erhebung Zagóróws zur Pfarrgemeinde behagte indes dem Gutsbesitzer Weigel von Kopojno nicht. Darum gab er durch seinen Bevollmächtigten Wilhelm Jaenicke am 10.Januar 1858 die protokollarische Erklärung ab, er sei einverstanden, 12 Morgen Pfarrland und Ziegel zum Kirchbau zu schenken, wenn der Mittelpunkt der Gemeinde von Zagórów nach Emilienheim (Michalinów Kopoinski) verlegt werde. Am 28.Februar 1862 entschied das Warschauer Konsistorium, dass aus Rücksicht auf die lokale Lage und die Verkehrsverhältnisse als Pfarrort nur Zagórów in Frage komme und hier auch die Kirche erbaut werden müsse. Wiewohl die Evangelischen aus Trąbczyn am 26.September 1862 an das Konsistorium das Gesuch richteten, Emilienheim zum Pfarrmittelpunkt zu bestimmen, so hatte das doch keine praktischen Folgen.
   1860 verließ Pastor Winkler nach schweren Zerwürfnissen mit dem Kirchenkollegium, die auf unsachlichen Beschuldigungen beruhten, die Gemeinde, in deren Dienst nun Pastor Eugen Biedermann trat. „Die Parochie war klein, die Besoldung des Pfarrers sehr gering, und das Häuschen, das für ihn als Wohnung bestimmt war, war so niedrig, dass man die Türschwelle herausheben musste, um dort (beim Einzug des Pastors) einen Schrank hineinzutragen. Überdies war die Wohnung kalt und feucht, was eine schwere Krankheit der Frau nach sich zog, und das bewog den jungen Pastor im J.1865 zur Übersiedlung nach Pułtusk. Wohl war Pastor Biedermann bestrebt, in Zagórów eine Kirche zu errichten, wozu er auch die ersten Schritte getan hat, aber bald darauf brachen in der Gemeinde Streitigkeiten betreffs des Bauortes aus, die er zu schlichten außerstande war. Auch dies beeinflusste seinen Entschluss, die Parochie zu verlassen. Nach seinem Weggang administrierte Zagórów ein Jahrzehnt Pastor Haessner aus Stawiszyn. Im J.1876 kam hierher Pastor Karl Eduard Erdmann, der aber schon nach zwei Jahren das benachbarte Pfarramt Grodziec übernahm, von wo er seine frühere Gemeinde weiter verwaltete.
   Da der Zagórówer Betsaal nur für etwa 80 Personen Raum hatte und so niedrig war, „dass der Pastor vor dem Altar stehend, mit dem Kopf an die Balken reichte“, so wurde der Bau einer Kirche als die dringendste Angelegenheit der Parochie empfunden. Bereits 1863 wandte sich das Konsistorium an den Grafen Taczanowski, den Besitzer der Güter und der Stadt Zagórów, mit dem Ersuchen, eine Unterstützung zum Kirchbau und zum Unterhalt des Pastors zu gewähren. Von Bedeutung aber war erst die Gemeindeversammlung vom 27.Juli 1872, die den Beschluss des Kirchbaues gefasst hat. Seitdem nahm diese Frage eine zwar langsame, aber stete Entwicklung. Am 8.April 1877 genehmigte das Innenministerium den Bau und bewilligte für diesen Zweck 3000 Rub.
   Am 22.August 1877 visitierte Pastor Teichmann, Superintendent der Kalischer Diözese, Zagórów. Im Visitationsprotokoll vermerkte er, dass die Parochie nur 1 Elementarschule mit 60 Kindern in Michalinów und 7 Kantoratsschulen mit annähernd 230 Schülern besitze. Er erwähnte auch, in der Gemeinde solle der Neu-Strelitzer Katechismus eingeführt werden. Über die Pfarrbaulichkeiten, die Sup. Teichmann besichtigte, ließ er sich dahin aus, dass sie sich in einem unerfreulichen Zustande befanden.
11 za haeuser   Der Grundstein zum Bau der evangelischen Kirche in Zagórów wurde am 8.Mai 1878 vom Ortspastor Karl Eduard Erdmann gelegt. Für den Bau sollten die Gemeindeglieder binnen 4 Jahren eine Summe von 8000 Rub. aufbringen, während 3000 Rub., wie bereits erwähnt wurde, die Regierung gewährte. Mitglieder des Baukomitees waren:

Alexander Arndt, Wilhelm Schmechel, Wilhelm Münch, Wilhelm Kuck, Martin Ziegeldorf, Emanuel Munk

Das Kirchenkollegium (gewählt am 5.Juli 1882):
Christian Schultz, Karl Pfeifer, Heinrich Zelmer. Alexander Arndt, Johann Schütz

Die technische Aufsicht über den Bau hatte Kreisbauinspekteur Przanowski aus Słupca. Sämtliche Arbeiten beim Bau übernahm für das Entgelt von 3000 Rub. Maurermeister Gustav Jursch aus Orlina Wielka. Die Stadt Zagórów stiftete zum Kirchbau 110 Stämme Bauholz aus dem Stadtwalde. Der Bau des Gotteshauses kostete 13131 Rub. 78 Kop. Im Spätherbst 1882 war die Kirche bereits errichtet. Am 1.Juli 1883 bestellte das Kirchenkollegium bei der Firma Schlag und Söhne in Schweidnitz eine Orgel. Die Gemeindeversammlung vom 29.Juni 1884 beschloss auch, sich mit 25 Kop. Vom Morgen zum Ankauf zweier Glocken zu besteuern. Die Einweihung der neuen Kirche fand nach mündlicher Überlieferung am 1.Adventsonntag 1882 statt. Anfang Oktober 1883 erfolgte die protokollarische Übergabe der Kirche an die Gemeinde.
   Bis zu seinem Tode (†1892) betreute Karl Eduard Erdmann aus Grodziec die Zagórówer Gemeinde, die eingedenk seiner Verdienste um die Parochie (Erbauung der Kirche) sein Andenken durch Anbringung einer entspr. Marmortafel im Gotteshaus ehrte.
   Die Administration von Zagórów übertrug hernach das Konsistorium Pastor Henkel aus Konin, worauf dann von Mitte Juli 1898 bis Anfang November 1903 hier als ständiger Seelsorger Pastor Bernhard Erdmann, vordem Vikar in Zgierz, tätig war.
   Im J.1890 wurde das Blechdach auf der Kirche und dem Turm vom Sturmwind abgetragen. Das Kirchenkollegium gab für die Neueindachung 760 Rub. aus. Da das Pfarrhaus zu klein und auch sonst den Bedürfnissen nicht entsprach, so beschloss die Gemeindeversammlung vom 3.Oktober 1893, von den Eheleuten Ulatowski ein Haus für 2600 Rub., das gegenüber der Kirche lag, zum Pastorat anzukaufen. Am 18.Januar 1896 wurde hierzu die Allerhöchste Erlaubnis erteilt. 1898 brannte das Bethaus in Michalinów ab. Im gleichen Jahr entschloss man sich, in Chruściki ein neues Bethaus zu erbauen (1918 repariert).
   Seit langem trug sich das Kirchenkollegium mit dem Gedanken, ein neues Kantorhaus zu errichten, um so mehr als das alte seiner Bestimmung nicht mehr genügte. Infolgedessen bat es am 15.Okt. 1902 das Konsistorium, ihm die Veräußerung des alten Kantorhauses zu gestatten. Die Parochialversammlung vom 13.Dez. 1907 beschloss daher, in Zagórów ein neues Kantorhaus und zugleich auch ein neues Pastorat neben der Kirche zu errichten. Pastor Buse aus Grodziec, dem damaligen Administrator von Zagórów, gelang es, die Gemeinde zu überzeugen, dass sie durch den Pfarrhausbau wieder die Möglichkeit hätte, einen eigenen Seelsorger zu erhalten. Nach dem Voranschlag im J.1908 sollte der Bau des Pfarrhauses 7972 Rub. 75 Kop., der des Kantorhauses (Schullokal, Wohnungen für Kantor und Küster) 6596 Rub. 5 Kop. kosten. Das Innenministerium bestätigte am 26.September 1912 die Pläne und Kostenanschläge. Am 7.März 1913 beschloss die Gemeindeversammlung, zwecks Erweiterung des Bauplatzes für das Pfarrhaus von Johann Milner ein kleines Grundstück für 311 Rub. zu erstehen. Das seiner Feuchtigkeit wegen ungeeignete Pastorat (gegenüber der Kirche) wurde 1913 an das Gemeindeglied August Driesner für 3000 Rub. verkauft. Am 16.Oktober 1913 wurde der Grundstein zum Pfarrhaus gelegt. Zu diesem Bau verpflichteten sich die Eingepfarrten, einen Beitrag von 1 Rub. vom Morgen zu zahlen, insgesamt etwa 6000 Rub., dazu noch 1000 Rub. aus dem Baufonds; der Rest sollte durch freiwillige Opfer gedeckt werden. Im gleichen Jahr wurde mit der Errichtung des Kantor- und Schulgebäudes begonnen. Dem Baukomitee gehörten an:

August Driesner   Wilhelm Neumann   Paul Rentz
Ferdinand Schulz   Friedrich Schütz   Christian Münch
August Kintzel   Julius Schneider   August Giebel
Daniel Gliege   Eduard Kuhn   Heinrich Kinast

   1914 brach der Weltkrieg aus, der die bereits begonnenen Arbeiten jäh unterbrach. Erst 1916 konnte das Kantorhaus weitergebaut und 1917 vollendet werden. Am 4.Juni 1917 kaufte noch die Gemeinde von Milner zwei zwischen der evang. Kirche und dem Kantorhaus gelegene Grundstücke.
   Im J.1923 trat das Pfarramt von Zagórów Pastor Alexander Groß an. An Stelle der 1918 von den deutschen Besatzungsbehörden requirierten Glocke wurde 1923 eine neue Glocke bezogen. In den Jahren 1926/27 wurde der Umbau der Orgel mit einem Kostenaufwand von 6000 Zł. bewerkstelligt (1910 Orgel repariert). 1927 errichtete man auf dem Pfarrgehöft ein Wirtschaftsgebäude. 1927 schenkte das Ehepaar Ferdinand und Luise Krüger aus Olchowo zum Andenken an ihren im polnisch-bolschewistischen Kriege (1920) verschollenen Sohn Rudolf Krüger die jetzige Turmuhr, die 5000 Zł. kostete. Vom 1.-11.September 1927 veranstaltete Pastor Groß, dem die religiöse Arbeit sehr am Herzen liegt, in der Zagórówer Gemeinde wie auch im Filial Lissewo-Pyzdry eine Evangelisationswoche, an der außer Pastor Groß noch die Pastoren Löffler aus Gąbin, Paul Otto – Christliche Gemeinschaft Lodz und Prediger Mark aus Leonberg (Lwówek) bei Gąbin mitgewirkt haben.

Zagórów  
Seniorenheim  

   Im J.1931 wurde der Bau des Pfarrhauses wieder aufgenommen. Ende 1934 war der Rohbau einschl. der Eindachung fertiggestellt. 1937 soll es mutmaßlich vollendet werden. Die gesamten Baukosten des Pfarrhauses dürften 35-40 000 Zł. betragen. Oktober 1933 beging die Gemeinde das 50-jährige Kirchweihjubiläum.
   1934 beschritt die Gemeinde (gemeinsam mit dem Filial Lissewo-Pyzdry) den Klageweg betreffs rechtlicher Zuerkennung des Kantorlandes und der darauf befindlichen Baulichkeiten in Łazińsk (20 Morgen), Ciemierów (13 Morgen) und Wrąbczynkowska Kol. (10 Morgen). Die beiden letzten Dörfer liegen im Filial Lissewo-Pyzdry. Den Prozess betr. Ciemierów gewann die Gemeinde, während die gerichtliche Entscheidung in den beiden andern Prozessen noch aussteht.
   Die Parochie Zagórów, die 3500 Seelen zählt, ist eine ausgesprochene Kolonistengemeinde. Die Eingepfarrten siedeln ziemlich geschlossen; die am weitesten Wohnenden haben bis zur Pfarrkirche 10 km
   Das Kirchspiel visitierten am 10.August 1884 Bischof Everth, am 10.Mai 1903 Gen.-Sup. G. Manitius, am 23.Mai 1909 und am 6. und 7.Juli 1925 Gen.-Sup. Bursche.

Statistik.

Gründungsjahr des Filials 1840 beschlossen; 1843 endgültig eingerichtet
Gründungsjahr der Gemeinde 1856
Seelenzahl 1934: 3800
Kirchensprache: deutsch

Pastoren:

    Wilhelm Winkler, 1856 – 1860
In Kalisch am 10.Mai 1830 als Sohn des Lehrers und Kantors Wilhelm Winkler geboren; stud. theol. in Dorpat 1850 – 1854 und ordin. am 8.Oktober 1854. Vikar in Kalisch 1854 – 1856, Pfarrer in Zagórów 1856 – 1860 und in Wieluń 1860 – 1912. Gestorben am 21.Oktober 1917 in Gąszyn bei Wieluń im Alter von 87 Jahren. Verfasser religiöser Lieder in polnischer Sprache, auch einer Schrift: „Gott mit uns… Eine Auswahl von Hymnen der hl. Kirche den Gläubigen zur Erbauung“. Verheiratet.

Biedermann   Eugen Biedermann, 1860 – 1865
In Pabianice am 24.Februar 1832 als Sohn des Pfarrers Daniel Gottlieb Biedermann geboren, studierte er Theologie in Dorpat 1853 bis 1857 und wurde am 21.Juni 1857 ordiniert. Nachdem er Vikar und Militärkapellan der Warschauer Garnison 1857 – 1860 gewesen war, wirkte er als Pfarrer in Zagórów 1860 – 1865, in Pułtusk 1865 bis 1871, in Tomaschow Maz. 1871 – 1912. Sup. der Petrikauer Diözese 1905 – 1912. Am 21.Juni 1907 beging er sein 50jähriges Amtsjubiläum. Verheiratet in kinderloser Ehe mit Marie Emma Katharine, geb. Loth. Ihre drei Brüder fielen als Aufständische 1863: Władysław Adolf Loth (1813-1863) starb am 6.September 1863 an den Folgen einer im Aufstand erlittenen Schusswunde; Stanisław Alfred Loth (1838-1863) fiel am 16.Mai 1863 bei Klwów und wurde dort beerdigt; Alexander Felix Loth (1839-1863) fiel am 6.Juli 1863 bei Białobrzegi und wurde dort beerdigt. Ihr vierter Bruder, Heinrich August Loth (1839-1914) war der Vater von Pastor Loth. Sup. Biedermann starb am 31.Januar 1912, seine Lebensgefährtin kurz zuvor am 13.Januar 1912.
   Sup. Eugen Biedermann war ein eifriger Schulmann. 1879 erstellte man den Bau der neuen Schule, in der auch die sogen. 4-klassige Alexanderschule (neben den Elementarschulen) untergebracht wurde. Ihr Initiator und erster Leiter war Biedermann. Das Tomaschower Spital verdankte gleichfalls ihm seine Entstehung. „15 Jahre lang war er Kurator, Schreiber, Ökonom des Spitals und dies alles ohne Eigennutz“. Der Bau der neuen evangelischen Kirche wurde ebenfalls durch seine Initiative in Angriff genommen. Er errichtete auch das neue Pfarrhaus und lieh der Gemeinde dazu das Geld. Sup. Biedermann fühlte sich als Pole und war über seine Parochie hinaus eine geachtete Persönlichkeit.

    Karl Eduard Erdmann, 1876 – 1878
Am 7.Juli 1847 geboren; studierte er Theologie in Dorpat 1866 bis 1875 und wurde am 18.April 1975 ordiniert. Vikar beim Sup. der Kalischer Diözese in Turek (Teichmann), dann Pfarrer in Zagórów 1876 – 1878 und in Grodziec 1878 – 1892, wo er am 17.Okt. 1892 plötzlich im Pfarrgarten, „unter einem Obstbaum“ verschied.

    Bernhard Erdmann, 1898 – 1903
In Livland am 28.August 1867 geboren; stud. theol. in Dorpat seit 1887; Vikar in Zgierz (bis 1898); Adm. in Zagórów 1898 – 1903; kurze Zeit Adm. in Bełchatow. Er verließ darauf den Warschauer Konsistorialbezirk.

    Alexander Groß, seit 1923
In Lodz am 5.Mai 1895 als Sohn des Lehrers Friedrich Groß geboren; studierte er Theologie in Leipzig sowie Erlangen und wurde am 30.April 1922 ordiniert. Vikar an St. Johannis Lodz 1922 bis 1923 und darauf Pfarrer in Zagórów 1923 – 1945. Nach Russland 1945 verschleppt, wo er bei Stalino, im Donezgebiet, in einem Steinbruch und Kalkwerk arbeitete. Trotz Verwarnung und Bedrohung verkündete er seinen deutschen Leidensgenossen Gottes Wort. Er starb Mitte November 1945 an den Folgen der Verschleppung im Krankenrevier Finolno. Verheiratet zum 1.Male in einer kinderlosen Ehe (Frau verst.); in zweiter Ehe mit Martha, geb. Wehner (verst.). Zwei Söhne: Theodor, Diakon; Viktor Groß, Dr. med. in Schwabach in Bayern.

 

Auswärtige Administratoren:
1843 - 1856: Karl Friedrich Orive
1865 - 1876: Franz Haessner
1878 - 1892: Karl Eduard Erdmann
1892 - 1898: Karl Henkel
1903 - 1914: Rudolf Buse
1914 - 1915: Otto Krenz
1916 - 1918: Otto Haack
1919 - ........ Otto Krenz
1919 - 1923: Adolf Löffler; ortsansässiger reichsdeutscher    Pfarrverweser

Gemeindekantoren:
August Gabler
August Rasch
Johann Ferdinand Hampel
Karl August Rottke
Adolf Wahren
… Schultz
… Witke
… Samuel Hein
Karl Eduard Thym
Adolf Petznik
Emil Kunitzer
Adolf Krüger
1899 - 1909: Karl Gustav Welke
1909 - 1917: Johann Milner
1917 - 1920: … Behnke
1921 - 1922: Arno Tschadek
1924 - .......: Ferdinand Homt

Küster:

    Samuel Jahns
1864   Wilhelm Pfennig
    Gottlieb Pfennig (†1899)
    Gottlieb Wolff
    Witwe Eichhorst
    Eduard Schultz
1926   Eduard Krüger

Kirchenkollegien:

1840: Johann Abramowski, Matthäus Luther, Johann Friedrich Rasch, Johann Eichhorst, Ludwig Neumann, Gottlieb Schnitzer
1854: Karl Seydel, Friedrich Schnitzer, Friedrich Rasch, Christian Schütz
1860: Karl Militz, Christian Schultz, Daniel Horn, Friedrich Steinbarth, Gottlieb Strauß
1875: Karl Pfeiffer, Wilhelm Rentz, Christian Schultz, Heinrich Zelmer, Gottfried Schnitzer
1900: Emanuel Munk, Christian Wolter, Karl Schultz, Alexander Arndt, Friedrich Wegner
1914: August Grunwald, Julius Schneider, Gustav Stark, Ferdinand Krüger, Karl Schmechel
1925: August Driesner, Alexander Schreiber, Wilhelm Heilmann, Julius Zache, Gottlieb Gliege, Theophil Runge
1934: Gottlieb Gliege, Eduard Rittammer, Adolf Beutler, Adolf Rau, Reinhold Wegner, Robert Litwin, Julius Zache, Reinhold Reiser, August Pfeifer

Kirchen und Bethäuser:

Kirche: Zagórów

Betsaal ist zugleich Schullokal:
   Olchowo; Michalinów, gm. Trąbczyn

Betsaal u. Schullokal getrennt:
   Łazińsk; Michalinów, gm. Oleśnica; Anielewo

Kantorate:

Olchowo: Kantor und Lehrer seit 1924 Ferdinand Homt
Tarzewo: Kantor: Adolf Münch
Michalinów/Oleśnica: Kantor Ludwig Schulz
Michalinów/Trąbczyn: Kantor Paul Schulz (Landwirt)
Łazińsk: Kantor und Lehrer seit 1925 Adolf Mielke
Anielewo: Kantor und Lehrer Bruno Mielke

Friedhöfe:
Zagórów, Olchowo, Tarzewo, Chruściki, Michalinów gm. Oleśnica; Michalinów gm. Trąbczyn; Łazińsk, Anielewo, Wrąbczynkowska Kol.
In Dolany bestatten die Evangelischen ihre Toten auf dem dortigen röm.-kath. Friedhof, und zwar auf einen besonderen, ihnen noch vor dem Weltkrieg 1914/18 zugewiesenen Teil desselben.

Schulen:

Zagórów:
7-kl. allg. Volksschule, 20 ev. Kinder, Lehrer: August Gabler; Religionslehrer: Ortspastor

Łazińsk:
1-kl. Schule, 160 Kinder; deutschsprachig, Lehrer: Gustav Adolf Milke

Anielewo:
1-kl. Schule, 65 Kinder; deutschsprachig, Lehrer: Bruno Mielke

Olchowo:
1-kl. Schule, 40 Kinder; deutschsprachig, Lehrer: Ferdinand Homt

Michalinów gm. O.:
1-kl. Schule, 60 Kinder, deutschsprachig, Lehrer: Julius Berendt

Michalinów gm. T.:'
1-kl. Schule, 70 Kinder, deutschsprachig, Lehrer: Friedrich Klingbeil, seit 1923

Wrąbczynkowska:
70 Kinder, deutschsprachig; Lehrer: A. Bauer, seit 1928

Vereine:

Gesangchor Zagórów:
gemischter Chor, 30 Sänger, Leiter: Kantor Ferdinand Homt

Jugendbund
Zagórów: seit 1927, 40 Mitglieder, Leiter Ortspastor

Kindergottesdienst
Zagórów: nur im Sommerhalbjahr, etwa 50 Kinder, kein Gruppensystem

kirchliche Blätter:

1930

Friedensbote   20 Expl
Wach auf   100 Expl
Zwiastum Ewang   1 Expl
Friedensbote   6 Expl
Jugendfreude   5 Expl
Jugendsieg   8 Expl
Neues Leben   5 Expl

Sekten: 1 neuapostolische Familie

Konvertiten:
In der Zeit 1925 – 1930 1 Person (von der griech.-orth. Kirche)

Wirtschaftliches:

Kontribuenten
1930: 560
1935: 550

Etat:
1930: 10 200 Zł.
1935:  7 480 Zł.

Kirchenbeitrag
1930: 1 Zł. vom Morgen
1935: 50 Gr. und 3 Zł. Familiengeld

Morgenzahl: 6500 Morgen

Gehälter 1930
Pastor:   500 Zł. monatlich
Kantor:   140 Zł. monatlich
Küster:   60 Zł. monatlich
Schreiber:   70 Zł. monatlich
       
Gehälter 1934
Pastor:   400 Zł. monatlich
Kantor:   110 Zł. monatlich
Küster:   50 Zł. monatlich
Schreiber:   45 Zł. monatlich

Eingepfarrte Ortschaften:

Stadt Zagórów, Kr. Konin:
  Imielno, zur Stadt gehörig

Gmina Oleśnica, Kr. Konin:
   Oleśnica, Chruściki, Drzewce, Mały Las, Olchowo, Kopojno, Tarzewo, Skokum, Świątniki, Wrąbozyn, Michalinów, Augustynów, Anielewo, Grądzeń, Grądzeń Las

Gmina Lądek, Kr. Konin:
   Ląd, Dolany

Gmina Trąbczyn, Kr. Konin:
   Michalinów, Huta Łukomska, Stanisławów, Łazy, Władzimierów, Łazińsk, Huta Trąbczyńska, Trąbczyn B., Trąbczyn D

Gmina Rzgów, Kr. Konin:
   Dombrowice

Gmina Dłusk, Kr. Konin:
   Wrąbczynek

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